Archiv für Juni 2009

Bildungsstreik: Primer für Jura-Studierende

Als Jura-Studierender habe ich es eigentlich einfach. Ziemlich klar festgelegt, was ich wann machen muss. Und eigentlich kann man ja auch alles schaffen. Wer nicht mitkommt, ist halt abgelenkt, widmet sich seinem Studium vielleicht nicht richtig. Und wieso sollte ich irgendwas bestreiken, wozu ich eigentlich ohnehin nicht verpflichtet bin? Wieso sollte ich meine Ausbildung vernachlässigen, um irgendwelchen Polit-Quatsch zu machen? Oder?

Wenn ich jetzt durch die Uni gehe, stelle ich fest, dass da unter dem Titel »Bildungsstreik« so ein Haufen linker Kommilitonen mal wieder herumstänkert und ihre Probleme auf den Bachelor schiebt. Der mich ja als Jura-Student nicht mal betrifft, da es ja das Staatsexamen gibt. Oder?

Klar, abzusehen: Der Artikel steht in einem Blättchen, auf dem »Basisgruppe Blablabla« als Absender steht. Kommt also noch linke Ideologie, ist also alles nur Einführung. Stimmt! Ein wenig jedenfalls: Ist wirklich nur Einführung. Allerdings: Die vertretene Ideologie, die heißt schlicht – Vernunft.

Ach, jetzt wo Sie’s sagen…

Je mehr ich nachdenke, desto mehr Dinge fallen mir auch an meinem Studium ein, die diskutabel sind. Das Staatsexamen: Abgekoppelt von universitärer Wirklichkeit in den großen Scheinen, nur gehalten vom porösen Kitt kommerzieller Repetitoren. Massenhausarbeiten, die besteht, wer das beste persönliche Netzwerk hat. Klausuren, die bereits optisch erkennbar seit den 1980er Jahren in gleicher Form gestellt werden. Studiengebühren, die nicht im Ansatz spürbar für das eigene Studium Effekte haben. Leistungsdruck, der durch Schnellstudier-Boni wie Freischuss und das Abschichten erst richtig angeheizt wird. Prüfungsangst vor dem alles entscheidenden Staatsexamen.

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