Viel Spaß mit den Schulden – Wir feiern woanders!

Viel Spaß mit den Schulden – Wir feiern woanders!
Ein offener Brief aus der Studierendenschaft

an den
Allgemeinen Studierendenausschuss der Universität Göttingen (AStA),
Prof. Dr. Joachim Münch, als zuständigen Vizepräsidenten,
sowie den Organen der Studierendenschaft zur Kenntnis.

In der letzten Ausgabe der AStA-eigenen Zeitschrift AStA Revista (AStA Revista, Nr. 136, Mai 2008) feiert sich die sogenannte Studierenden- vertretung für den Bau eines Partykellers im Verfügungsgebäude (VG). Der AStA versucht dabei sein möglichstes, die horrenden Kosten (Insgesamt ca. 350.000 Euro, davon ca. 100.000 Euro aus den Mitteln der Studierendenschaft), die mit diesem Projekt verbunden sind, als Ausgaben im Sinne der Studierendenschaft zu rechtfertigen. Doch der AStA irrt auf ganzer Linie. Der geplante Partyraum im VG geht in seiner Konzeption an den Bedürfnissen der Studierendenschaft vorbei.

Die Kosten für die Nutzung des Raums stehen in groteskem Mißverhältnis zu seinen Möglichkeiten. Ein einziger Partyraum, ohne die Möglichkeit, verschiedene musikalische Angebote auf einer Party zu machen, ohne die Möglichkeit einen RaucherInnenraum anzubieten, ohne die Möglichkeit, selbst über Licht- und Tontechnik zu entscheiden, gezwungen in einen Vertrag mit einem Getränkelieferanten, das ganze zu immensen Kosten von 370, bzw. 515 Euro pro Veranstaltung (So von VertreterInnen des AStA der Fachschaftsräteversammlung vorgetragen), in denen nicht einmal alle Folgekosten (z.B. GEMA) enthalten sind: wie viel unattraktiver kann ein Partyraum eigentlich noch sein? Einen begehbaren Kühlraum gegen diese geballte Ansammlung von Nachteilen ins Feld zu führen, ist vor diesem Hintergrund nicht mehr als ein schlechter Witz zu astronomischen Kosten.

All diese Einwände sind dem AStA bekannt. Sie kamen im Studierendenparlament (StuPa) zur Sprache. Statt darauf in den Verhandlungen mit der Universität einzugehen und die bisherigen Planungen den tatsächlichen Bedürfnissen der Studierenden anzupassen, treibt der AStA in grenzenloser Selbstherrlichkeit sein Prestigeprojekt voran. Zahnlos verhandelnd gegenüber der Uni und ignorant gegenüber den Studierenden, die in Zukunft vor der Wahl stehen werden: Partyraum und Schuldenrisisko oder Party ausfallen lassen. Denn sicher wird die Universität jede Anfrage nach anderen, günstigeren Möglichkeiten mit Verweis auf den neuen Raum in Zukunft ablehnen.

Zu allem Überfluss rechnen die AStA-Verantwortlichen dann noch der Fachschaftsräteversammlung (FSRV) vor, wieviele Liter Bier jedeR BesucherIn einer bis an die Kapazitätsgrenze des neuen Raums ausgelasteten studentischen Party denn nun trinken müsse, damit die VeranstalterInnen 3,50 Euro Gewinn machten. Das ist entweder ungeahnt dreist oder unglaublich realitätsfern. Den Partyraum dann auch noch als Freiraum zu bezeichnen, ist nicht weniger als eine politische Unverschämtheit.

Wir als Studierende der Universität wollen keine Partys feiern, auf deren Schulden wir hinterher sitzenbleiben. Wir lassen uns nicht vorschreiben, welches Bier wir auf unseren Partys trinken, oder welche Lichttechnik wir benutzen. Wir werden den Partyraum im VG nicht nutzen. Stattdessen werden sich dort zwölfmal im Jahr kommerzielle AnbieterInnen tummeln, die die Universität mit ihren Energydrinks überschwemmen. Die damit erzielten Einnahmen werden nicht ausreichen, daß der Raum sich amortisiert. Stattdessen wird das Prestigeprojekt Partykeller tiefe Löcher in die Budgets von Studierendenschaft und Universität reißen. Studentische Bedürfnisse sehen anders aus. Der Partykeller in dieser Form ist das Papier nicht wert, auf dem er in der Revista beworben wird. Da anscheinend jedoch der AStA nicht bereit ist, auf irgendwelche Vorschläge von Seiten der Studierenden einzugehen, bleibt uns nichts als die traurige Pflicht dem Projekt sein völliges Scheitern vorauszusagen.

Viel Spaß also mit den Schulden.
Wir feiern woanders!
Fachschaftsrat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät

unterzeichnet von:

ak gender
Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristen
Basisdemokratisches Bündnis
Basisgruppe Biologie
Basisgruppe für Informatik, Mathe & Physik
Basisgruppe Germanistik
Basisgruppe Geschichte
Basisgruppe Jura
Basisgruppe Kulturanthopologie / Europäische Ethnologie
Basisgruppe Kunstgeschichte
Basisgruppe Philosophie
Basisgruppe Sozialwissenschaften
Fachgruppe Geographie
Fachgruppe Geschichte
Fachgruppe Geschlechterforschung
Fachgruppe Kulturanthopologie / Europäische Ethnologie
Fachgruppe Kunstgeschichte
Fachgruppe Medien
Fachgruppe Pädagogik
Fachgruppe Philosophie
Fachgruppe Sozialwissenschaften
Fachschaft Agrarwissenschaft
Fachschaft Biologie
Fachschaft Chemie
Fachschaft Forstwissenschaften
Fachschaft Medizin
Fachschaft Theologie
Fachschaftsrat Biologische Fakultät inkl. Psychologie
Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät
Fachschaftsrat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät
Fachschaftsrat Fakultät für Geowissenschaften und Geographie
Fachschaftsräteversammlung
Grüne Hochschulgruppe Göttingen
Juso-Hochschulgruppe Göttingen
Schwarz-Rot-Kollabs
Sozialistisch-Demokratischer-Studierendenverband Göttingen
Sozialwissenschaftliche Orientierungsphase Göttingen

(zurückgezogen/bestritten/in Klärung: Fachgruppe Slavistik)

Göttingen im Mai 2008


9 Antworten auf “Viel Spaß mit den Schulden – Wir feiern woanders!”


  1. 1 fossieze 24. Juni 2008 um 15:16 Uhr

    Hallo zusammen!

    Ich muss sagen, dass ich durchaus verstehen kann, das ihr nicht der selben Meinung seid wie der ASTA, allerdings sind viele Argumente doch wirklich aus der Luft gegriffen und sinnlos.
    Außerdem ist ein Unding, dass ihr die Namen von Fachschaften unter diesen Brief setzt, die nie zuvor etwas davon gehört haben.
    Die Fachschaften Theo, Agrar, Medizin und Chemie stehen laut Eigenaussage definitiv nicht hinter diesem Brief und vor allem nicht hinter der Art, wie er geschrieben ist.

    Vielleicht könnt ihr in Zukunft eure Kritik ja auch konstruktiv äußern und legt dafür nicht gleich mit so einem Pamphlet los.

    so far….

  2. 2 Administrator 27. Juni 2008 um 9:52 Uhr

    Vielleicht solltest du dann auch sagen, warum deiner Meinung nach „viele Argumente sinnlos“ sind.

    Darüber hinaus ist deine Aussage, dass einige der aufgeführten Fachschaften den Brief gar nicht unterzeichnet hätten, falsch. Laut FSR Sowi, der den Offenen Brief initiiert hatte, haben die genannten Fachschaften dem Brief zugestimmt. Insofern ist es ein „Unding“, das Gegenteil zu behaupten.

  3. 3 fossieze 21. Juli 2008 um 18:07 Uhr

    Also als Angehöriger einer der gennanten Fachschaften kann ich dir versicher, das wir diesen Brief zum erstenmal gesehen haben, als er veröffentlicht wurde. Diese Unterzeichnung ist definitv nicht von uns und auch nicht in unserem Sinne.

    Soweit unser Standpunkt.

  4. 4 Berthold 22. Juli 2008 um 15:44 Uhr

    Ein „neutrales“ statement: Genau diese kritisierten Bedingungen (Lichttechnik, Getränkeliferant nicht wählbar) findet man in Göttingen auch anderswo, so zB beim JT Keller, was aber den Parties keinen Abbruch tut.
    B.

  5. 5 Hans-Werner 23. Juli 2008 um 12:26 Uhr

    @Berthold: Ich weiß nicht, ich finde das in keiner Form vergleichbar. Dein Argument taugt wirklich nicht. Wann hat denn bitte das letzte mal eine studentische Gruppe (ohne dickes Finanzpolster) im JT-Keller eine Party geschmissen (und damit meine ich nicht nur eine Erwähnung in Titel oder auf dem Plakat sondern wirklich die Organisation)?

    Wenn schon vergleichen, dann doch wohl mit dem Status Ante. Und der war: VG-Party. Wieso wurde nicht das völlig freie Konzept dieser Veranstaltungen übertragen?

    Glaube mir: Bei den zu leistenden Vorschüssen, den harten Restriktionen — da ist es schlicht nicht möglich für kleinere nicht so finanzstarke Gruppen im neuen VG-Partykeller auch wirklich Partys zu machen. Das ist nicht nur ein „aus Prinzip dagegen“. Das ist wirklich faktisch unmöglich.

    Das hat der AStA gewusst, da er oft genug die Argumente gehört und ignoriert hat. Also werfe ich dem AStA vor, hier gezielt kompromisslos zu sein. Man will eben nicht wieder die VG-Partykultur haben. Stattdessen wird es voll durchkommerzialisierte Satelliten-Partys zu den ZHG-Partys geben.

    Nicht, dass für kommerzige Partys kein Publikum da wäre. Und nicht nur das: Es werden sicher auch Veranstalter da sein. Das werden aber nicht mehr die auch politisch aktiven studentischen Gruppen sein, sondern eine Zahl von studentischen GbRs, die dann privat Gewinne erwirtschaften wollen und denen Konzept, Motto und Besucher qualitativ am Arsch vorbeigehen, solange die Quantitäten stimmen.

  6. 6 Administrator 24. Juli 2008 um 13:20 Uhr

    @fossieze:
    Kurz vorweg: Die Basisgruppe Jura hat den Brief nicht initiiert und ist deshalb vielleicht nicht 100%ig der richtige Ansprechpartner. Da wir ihn aber publizieren, nehmen wir substantiierte Kritik natürlich aber entgegen und leiten die weiter bzw. passen zumindest unsere Publikation hier an.

    Daher nur ganz kurz die jetzt noch wirklich entscheidende Frage: Um welche Fachschaft geht es dir jetzt konkret, also: Für wen sprichst du, wenn du sagst „ihr“ hättet der Unterzeichnung entgegen der Angabe oben nicht zugestimmt?

  7. 7 Christian 19. August 2008 um 16:33 Uhr

    Z.B. Slavistik-Fachschaft… Wir haben nicht zugestimmt. Es ist reine Verrarsche!

  8. 8 Administrator 21. August 2008 um 12:42 Uhr

    Tragen wir mal weiter… Ist jedenfalls erstmal im Text angepasst.

  1. 1 13.-16. Januar: Uniwahlen in Göttingen 2009 | Basisgruppe Jura Göttingen Pingback am 16. Dezember 2008 um 14:23 Uhr

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